Die Initiative
Die Initiative
Lange war Erfurt einer der wenigen Orte in Deutschland, in denen Stolpersteine nicht verlegt werden konnten. Getragen von Wünschen und Anregungen aus der Bürgerschaft und von Bitten und Anfragen der Nachfahren der Menschen, die dem nationalsozialistischen Terror in Erfurt in den Jahren von 1933 bis 1945 zum Opfer fielen, beschloss der Erfurter Stadtrat 2023, auch in der Thüringer Landeshauptstadt Stolpersteine auf öffentlichem Grund zu ermöglichen.
Schnell fand sich daraufhin eine informelle Gruppe von Erfurter Bürgerinnen und Bürgern zusammen, aus der im Herbst 2024 die heutige Initiative Stolpersteine Erfurt hervorging, in der annähernd 20 Mitglieder verschiedener Generationen aktiv sind. Die Initiative arbeitet unter dem Dach der BürgerStiftung und wird sowohl von der Stadt Erfurt als auch vom DGB Bildungswerk Thüringen e.V. aktiv unterstützt.
Im September und Oktober 2025 konnte die Initiative gemeinsam mit Angehörigen aus Israel und Deutschland die ersten insgesamt 20 Stolpersteine für von den Nazis verfolgte und ermordete Erfurter Jüdinnen und Juden verlegen. Ein erster Stolperstein in Erfurt war im Mai 2024 vor Gründung der Initiative im Rahmen des Deutschen Katholikentages in der Trommsdorffstrasse für Karl Klaar verlegt worden.
Damit folgen die Stolperstein-Verlegungen auf das Engagement des „Arbeitskreises Erfurter GeDenken 1933-1945“, auf dessen Betreiben hin von 2009 bis 2013 neun DenkNadeln aufgestellt wurden. Die DenkNadeln erinnern an die Deportation und Ermordung jüdischer Mitbürger:innen in der Shoa und befinden sich in der Obhut der Landeshauptstadt Erfurt. Auf unserem Lageplan und bei den Biogrammen haben wir die DenkNadeln gemeinsam mit unseren Stolpersteinen als Erinnerungsorte mit einbezogen.
Nähere Informationen zu den DenkNadeln finden Sie hier.
Was sind Stolpersteine?
Stolpersteine sind in den Boden eingelassene Gedenktafeln aus Messing. Sie werden in der Regel vor dem letzten frei gewählten Wohnort von Menschen verlegt, die Opfer der NS-Diktatur wurden.
Der Künstler Gunter Demnig initiierte dieses Projekt 1992 in Köln und bis heute gibt es über 115.000 Stolpersteine in fast ganz Europa (Stand 02/2025). Das Projekt Stolpersteine ist inzwischen zum größten dezentralen KunstDenkmal der Welt herangewachsen.
Jeder Stolperstein erinnert an das individuelle Schicksal eines Opfers. Zu den Opfergruppen zählen Menschen, die vom NS-Regime aufgrund ihrer tatsächlichen oder zugeschriebenen Religionszugehörigkeit, Herkunft, Lebensweise oder politischen Überzeugung ausgegrenzt und verfolgt wurden.
Erfurts erster Stolperstein – ein Zeichen des Erinnerns und des Engagements
Der jüdische Kaufmann Karl Klaar, geboren am 10. Juli 1890, betrieb in der Trommsdorffstraße 5 gemeinsam mit einem Partner die „Erfurter Tapisserie-Manufaktur Klaar und Schloß“. Ab 1930 war er mehrfach in Krankenhäusern und sogenannten Heilanstalten in Behandlung und wurde am 28. November 1940 im Rahmen der „Euthanasie“-Programme in der NS-Tötungsanstalt Bernburg (Saale) ermordet.
Am 31. Mai 2024 wurde in der Trommsdorffstraße 5 der erste Stolperstein in Erfurt verlegt – in Gedenken an Karl Klaar, der vor über 80 Jahren von den Nationalsozialisten zunächst entrechtet und später ermordet wurde. Seine Familie wusste lange wenig über sein Schicksal. Die Verlegung des Stolpersteins hilft, eine Lücke im Gedenken zu schließen.
Mitmachen und Erinnerung lebendig halten
Die Initiative Stolpersteine Erfurt lädt alle Interessierten ein, sich zu beteiligen – sei es bei der historischen Recherche, der Organisation neuer Verlegungen oder der Pflege bereits verlegter Steine. Interessierte sind herzlich zu unseren monatlichen Treffen eingeladen und können sich bei Fragen oder dem Wunsch nach weiteren Informationen per E-Mail an die Initiative zu wenden.
Gerne möchten wir Sie dazu ermuntern, Biografien von NS-Verfolgten zu recherchieren, mit welchen Sie sich in Ihrer Institution, Ihrem Verein, Ihrem Wohnumfeld oder Alltagsleben verbunden fühlen und derer Sie gedenken möchten.
Sie wollen mitmachen? Dann schreiben Sie uns einfach eine E-Mail.
Gemeinsam halten wir die Erinnerung wach und setzen ein Zeichen gegen das Vergessen!